Rolle – Aufgaben – Kompetenzen

Fast 50% der polizeilich gemeldeten Korruptionsfälle betreffen die allgemeine öffentliche Verwaltung. Bund, Länder, Kommunen und öffentliche Unternehmen sind daher mehr denn je gefordert, Korruption verstärkt vorzubeugen und zu bekämpfen. Antikorruptions-Beauftragte nehmen dabei eine wichtige Rolle ein. Sie nehmen Hinweise von externen und internen Whistleblowern entgegen, beurteilen sie und gehen ihnen nach. Bei Konkretisierung eines Korruptionsverdachts sorgen sie dafür, dass geeignete Maßnahmen eingeleitet werden. Zur Aufklärung der Beschäftigten erarbeiten sie einen Verhaltenskodex und/oder einen Leitfaden zur Korruptionsprävention oder arbeiten an der Erstellung mit. Um diese und weitere Aufgaben wirkungsvoll erfüllen zu können, bedarf es – wie auch in der Richtlinie des Bundes zur Korruptionsprävention gefordert – der Fortbildung der Antikorruptions-Beauftragten.

In diesem Seminar werden die vielfältigen Aufgaben eines Antikorruptions-Beauftragten behandelt, ein Täterprofil und Tätermotive vorgestellt und ein Maßnahmenkatalog erarbeitet. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Rollenspiele mit Hinweisgebern. Das Seminar befähigt die TeilnehmerInnen, die Aufgaben als Antikorruptions-Beauftragte qualifizierter als zuvor wahrzunehmen.



Seminarziel Sie verbessern und erweitern Ihre Kenntnisse und Fähigkeiten, die Sie als Antikorruptions-Beauftragter benötigen; Sie lernen, Korruption vorzubeugen und zu bekämpfen; Sie erfahren, wie Sie anonymen Hinweisen nachgehen und in Rollenspielen qualifiziert mit einem Hinweisgeber umgehen
Teilnehmerkreis Antikorruptions-Beauftragte, Fachkräfte aus den Bereichen Antikorruptionsstelle, Rechnungsprüfung, Interne Revision und interessierte Führungskräfte
Lehrmethode Impulsreferate: Vertiefung im Plenum, Einzel- und Gruppenarbeit; praktische Übungen: Beurteilung von Vorfällen und Besprechung von Rechtsfällen, Rollenspiele
Referent Hans-Georg Nagel, ehemaliger wissenschaftlicher Angestellter in einem Hamburger Senatsamt, Leiter Innenrevision, Antikorruptionsbeauftragter, langjähriges Mitglied der Hamburger interbehördlichen Antikorruptionskonferenz


Seminar-Programm

Risiko: Korruption Wichtige Daten und Fakten

  • Korruption: Begriff, Tatbestände, Begleitdelikte
  • Hell- und Dunkelziffer
  • Von der Kooperation zur Korruption: Wann fängt Korruption an?
  • Auswirkungen und Schaden

Kompetenzen, Kenntnisse und organisatorische Anbindung des Antikorruptions-Beauftragten

  • Einrichtung einer AKB-Stelle
    – Gründe, Vorschriften, Regelungen
    – Vertrauensanwalt, Ombudsmann – Abgrenzung
  • Rechte und Pflichten
  • Persönliche und sachliche Voraussetzungen
  • Organisatorische Anbindung

Die praktische Arbeit des Antikorruptions-Beauftragten

  • Beratung: Leitungs- und Mitarbeiterebene
  • Aufklärung und Schulung
    – Gefährdete Bereiche, Korruptionsanzeichen
    – Verhaltenskodex, Leitfaden
  • Umgang mit anonymen Hinweisen
  • Umgang mit externen und internen Hinweisgebern
  • Mitteilungspflicht bei Verdacht
  •  Wahrnehmen des Vorschlagsrechts
  • Vorschläge an die Dienststellenleitung hinsichtlich
    – Allgemeiner Empfehlungen
    – Vorschläge „im Falle eines Falles“
    – Maßnahmen bei Konkretisierung des Verdachts
    – Übergabe an Ermittlungsdienststellen
  • Erstellung des Jahresberichts
    – Chronologische oder gewichtete Gliederung?
  • Rechenschaftsbericht des AKB


SPECIAL: 
Je nach Art der Zusammensetzung der Seminar-TeilnehmerInnen wird in Form von Exkursen eine „Kleine Rechtskunde für Nicht-Juristen“, eine „Kleine Prüfungslehre für Nicht-Revisoren“ und für alle eine Übersicht über „Korruptions-Kriminologie“ (Täter- und Tattheorie, situative und strukturelle Korruption) sowie Statistiken des Bundeskriminalamts gegeben. Darüber hinaus wird auf Wunsch der ehemaligen Teilnehmer ein „Leitbild Antikorruptions-Beauftragter“ erarbeitet.